AUSSTELLUNG (Fotos und Text: DRS/Guzy)

Buchstaben und Wörter erschließen in den Werken von Diethelm Wonner eine neue Dimension, wie eine aktuelle Ausstellung im Heinrich-Fries-Haus zeigt.

Ein expressiver Schriftzug verwandelt ein großformatiges Bild einer Meeresfläche unter einem dramatischen Wolkenvorhang, das einige Kaffeespritzer abbekommen hatte, in ein neues Werk. „Sturm und Wellen geben der See erst Seele und Leben“, zitiert es einen Ausspruch, der Wilhelm von Humboldt zugeordnet wird. Damit schenkt Diethelm Wonner dem verschmutzten Bild nicht nur ein neues Leben, sondern präsentiert zugleich ein gutes Beispiel für seine künstlerische Arbeit. Das Bild ist zusammen mit weiteren Werken jetzt im Heilbronner Heinrich-Fries-Haus zu sehen.

Wonner erschafft Collagen aus Schrift, Texten sowie grafischen Elementen. Er spiele gekonnt mit Formaten und Oberflächen, sagte Natalie Scheerle-Walz. Die Kunsthistorikerin und Leiterin der beiden Neckarsulmer Museen erläuterte Wonners Kunst anlässlich der Vernissage seiner Ausstellung „Begegnung“. In den Werken begegnen sich verschiedene Medien.

So nutzt Wonner drei Schwarz-Weiß-Fotos von Jürgen Häffner als Grundlage für seine kalligraphischen Arbeiten.
Häffner, Bildungsreferent bei der Katholischen Erwachsenenbildung Stadt- und Landkreis Heilbronn, hatte den Künstler für die Ausstellung im Heinrich-Fries-Haus gewonnen.

„Durch Zufügen von Texten entstehen neue Dimensionen“, sagte Scheerle-Walz. Auf anderen Bildern setzt Wonner Texte durch kalligraphische Gestaltungselemente in Szene und verbindet diese mit dynamischen Pinselstrichen und Farbaufträgen.



Kreuze und gereckte Hände

Wonner stammt gebürtig aus Siebenbürgen, wo er Schriftmaler gelernt hat. Später arbeitete er als freier Grafiker. Seit fünf Jahren unterrichtet er Kunst am Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn, wie er am Rande der Vernissage erklärte. Die künstlerische Auseinandersetzung begleitete ihn neben seiner beruflichen Arbeit schon immer. Neuerdings hat sich Wonner mit dem Kreuz beschäftigt. Im Raum der Mitte im Heinrich-Fries-Haus hängen einige seiner Kreuzmalereien, aber auch Bilder von betend oder flehend gereckten Händen. Das Hohelied der Liebe ist dort als kalligraphisch gestaltetes Schrift-Bild-Banner ebenfalls zu finden.

In anderen Textpassagen und Zitaten, die er als Vorlage verwendet, geht es insbesondere um das Thema Begegnung. Das griffen Pavlina Chamantne und Nataša Rikanović in ihrem Gesang auf, durch den die Werke von Wonner bei der Vernissage eine weitere, eine musikalischsprachliche Dimension bekamen. So trugen die beiden ein Lied, das in Nordmazedonien, Griechenland und der Türkei vorkommt, in den drei Landessprachen vor.


Der Bericht von L-TV mit dem Thema: „Heilbronn: Vom Bild zur Schrift und zurück“ finden sie hier.


Weitere Bilder von der Vernissage finden sie hier:

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